Should I stay or should I go - Ein Blick zum Fußball -

Auf der Suche nach einem Head of Compliance für ein renommiertes Pharmaunternehmen antwortete eine Kandidatin auf meine Anfrage hin: „Aktuell leite ich ein umfangreiches Compliance-Projekt und bin daher bis Ende 2019 nicht an einer Veränderung interessiert“. In diesem Satz sind viele Informationen enthalten, die mich, auch wenn ich es schade finde, diese Dame für die Position, die ich im Kopf hatte, aktuell nicht begeistern zu können, positiv stimmen.

Die zwei wichtigsten:

1.    Wechselmotivation Nr.1 ist nach wie vor der Wunsch eines Kandidaten, eine neue Herausforderung anzugehen, weiter zu wachsen und seine „comfort zone“ zu verlassen. Mitarbeiter, die in ihrer Organisation Wertschätzung erfahren, Chancen bekommen, sich weiterzuentwickeln und neue Themen zu verantworten, schauen sich in der Regel nicht auf dem Jobmarkt um und werden auch auf proaktive Anfragen eines Headhunters verhalten reagieren. 
2.    Zufriedene Mitarbeiter bleiben nicht nur ihrem Arbeitgeber sondern auch dem Team und ihrer Aufgabe treu.

Hat man als suchendes Unternehmen dennoch die Chance, einen fantastisch ausgebildeten und erfahrenen Mitarbeiter für sich zu gewinnen? Ja, wenn man ein „Mehr“ bieten kann. So wird vielleicht der diese Woche bekannt gewordene Wechsel von Eintracht Trainer Kovac zu den Bayern etwas verständlicher. Kovac war in den vergangenen 2 Jahren seiner Eintracht eine wertvolle Führungskraft, die aus einer Mannschaft mit regelmäßigen Abstiegssorgen, ein Team geformt, das heute Europa-Potential hat. War er aktiv auf der Suche nach einem neuen Verein? Sicherlich nicht. Mit seiner Aufgabe, die Eintracht fit für UEFA oder gar die Championsleague zu machen, ist er sicherlich noch nicht fertig. Und Angebote von anderen Vereinen hätte (und hat) er sicherlich ausgeschlagen. Bayern kann aber in vielerlei Hinsicht für ihn und seine weitere Karriere ein „Mehr“ bieten. Wird er den neuen Aufgaben und Herausforderungen gerecht werden? Kommt der Wechsel für ihn zu früh? Hätte er doch ausschlagen sollen? Das sind die Risiken, die ein jeder Wechsel mit sich bringt, die ein jeder Bewerber abwägen muß, um am Ende zu entscheiden, wie er seine Karriere aktiv gestalten will. 
Sicherlich hätte ich mir gewünscht, daß Kovac– ähnlich wie meine Compliance-Kandidatin – seinem aktuellen Arbeitgeber erhalten bleibt. Aber aus der Ferne betrachtet versteht man, daß er hier eine einmalige Chance ergriffen hat. Am Ende kommt es darauf an, Karriereentscheidungen wohl bedacht anzugehen, abzuwägen und dann durchzuziehen. Wer Jahre später zurückblickt und auch weiterhin zu der damals getroffenen Entscheidung stehen kann, hat alles richtig gemacht. In diesem Sinne wünsche ich der Compliance Kandidatin in ihrem jetzigen und Herrn Kovac in seinem neuen Umfeld alles erdenklich Gute.